Unter den Fachleuten der Museumswelt spielt der Registrar, auch wenn Außenstehende ihn kaum kennen, eine wesentliche Rolle.
In diesem Artikel versuche ich, die Vielseitigkeit dieses Berufs zu erklären, der ein breites Spektrum an Kompetenzen vereint, von Kunstgeschichte und Konservierung bis zum Recht.
Zum Schluss ein wertvolles Interview mit Anna Chiara Ferrero, Registrarin und Koordinatorin von Kunstausstellungen.
Wer ist der Registrar?
Der Registrar ist die Figur, die sämtliche Bewegungen der Kunstwerke verwaltet, beim Eingang wie beim Ausgang aus dem Museum, bei Wechselausstellungen, Neupräsentationen und Ankäufen.
Je nach Anlass gibt es zwei spezifische Ausprägungen des Berufs:
- den Exhibition Registrar, wenn die Bewegung der Werke mit dem Aufbau einer Wechselausstellung zusammenhängt;
- den Collection Registrar, wenn diese Figur innerhalb eines Museums das Monitoring sowie die internen und externen Bewegungen der Werke organisiert.
Der Exhibition Registrar ist, ausgehend von den Ausstellungsplänen der Kuratoren und Konservatoren, insbesondere dafür verantwortlich, alle Unterlagen vorzubereiten und zu organisieren, die für den zeitweiligen Transfer der Werke nötig sind, vom Leihvertrag bis zur Versicherung, und die Korrespondenz zwischen gastgebender und leihgebender Institution zu führen.
Da er die gesamte Reise der Güter koordinieren muss, einschließlich ihrer sicheren Verwahrung, nimmt er Kontakt zur Verpackungs- und Transportfirma sowie zu den Restauratoren auf, die beim Öffnen der Kisten den Zustandsbericht erstellen, also die konservatorische Prüfung der Werke.
Benennt das leihgebende Museum einen Kurier, also einen Begleiter, der jede Bewegung des Werks bis zum Ausstellungsort verfolgt, stimmt sich der Registrar bei Auf- wie Abbau eng mit ihm ab, immer zum Schutz der Werke.
Vor allem in den intensiven, hektischen Aufbautagen zeigt sich das große Organisationstalent dieses Profis: Im Trubel der bewegten Werke und unzähligen Gewerke übernimmt er die fundamentale Rolle des Regisseurs und Koordinators zwischen den Parteien, plant jede Aktivität in einem engen Zeitplan und begegnet jedem Unvorhergesehenen mit Standfestigkeit. Kurz: ein echter Dirigent, der die Bewegungen der zahllosen Mitwirkenden des komplexen Aufbaus führt, taktet und rhythmisiert.
Zu den Ursprüngen des Berufs
Wann betrat diese Figur die internationale Museumsszene?
Die Rolle entstand in den 50er Jahren in den USA, und ab 1978 wurden die im Registrar's Committee versammelten Fachleute von der American Alliance of Museums (AAM) anerkannt.
Wenig später, Anfang der 70er Jahre, kam die Figur des Registrars auch nach Großbritannien und breitete sich mit der Zeit in Europa aus, mit Debüts in den großen Museen Frankreichs, Deutschlands, Dänemarks, der Niederlande, Belgiens und Spaniens samt ihren jeweiligen Berufsverbänden.
Leider ist der Beruf des Registrars, obwohl immer unentbehrlicher, in Italien vom Kulturministerium noch immer nicht offiziell anerkannt.
Erstmals erwähnt wird die Figur des Registrars in einem Dokument zur Regelung der Tätigkeiten von Museen im Dekret des Ministers für Kulturgüter vom 10. Mai 2001, als „die Person, die alle Akte rund um die Leihgabe eines Kunstwerks erstellt, dokumentiert und organisiert“. Seine Aufgabe steht auch in der von ICOM erarbeiteten Nationalen Charta der Museumsberufe (2008), mit der Definition „Verantwortlicher für den Leihverkehr und das Handling der Werke“.
Gegen diese fehlende Anerkennung kämpft seit Jahren der italienische Verband der Kunstwerk-Registrare „Registrarte“: ein echter Informationskanal und ein kollaboratives Netzwerk, das den Austausch von Ideen und Erfahrungen zwischen langjährigen Profis der Ausstellungsorganisation fördern und diese Museumsrolle sichtbar machen will.
Das Interview mit der Expertin
Nun übergeben wir das Wort der Registrarin Anna Chiara Ferrero, die diesen faszinierenden Beruf viel besser erklären kann als ich:
Wie sah Ihre Ausbildung aus?
Ich habe im alten Studiensystem einen Abschluss über Schutz und Aufwertung des Kulturerbes gemacht und wurde dank meiner Abschlussarbeit für ein Praktikum ausgewählt.
Wie und wann kamen Sie zu diesem Beruf? Haben Sie erlebt, wie er sich über die Jahre verändert hat und wichtiger geworden ist, im Blick auf die erhoffte Anerkennung durch das Ministerium?
Nach meinem Praktikum wurde ich für eine Zusammenarbeit an der Triennale gerufen, wo ich die organisatorischen Kulissen von Ausstellungen im Feld erleben konnte; danach folgten Kooperationen mit verschiedenen italienischen und ausländischen Institutionen.
Sicher hat der Verband Registrarte viel dazu beigetragen, die Rolle des Registrars in Italien bekannter zu machen. Mehr als die Anerkennung selbst zählen für mich die Beiträge und der Austausch unter Kollegen bei Seminaren und den zweijährlichen internationalen Konferenzen.
Welcher Moment Ihrer Laufbahn war für Sie besonders bedeutsam?
Zum Glück gab es viele, aber am liebsten erinnere ich mich an die Wanderausstellungen, die ich vor Jahren in Lateinamerika organisiert habe; eine sehr prägende Erfahrung, beruflich wie persönlich.
